Tourenbuch 

2000: Berg Athos
2001: Similaun
2002: Mugonispitze
2003: Damâvand
2004: Olymp
2005: Tegernsee-Umrundung 
2006: Rechelkopf
2007: Schönfeldspitze
2008: Vergessene Pfade um den Königssee
2009: Watzmann-Ostwand 
2010: Vergessene Pfade in den Bayerischen Hausbergen

 

2000: Berg Athos
Eine meiner ersten Bergbesteigungen mit besonderem persönlichem Stellenwert führte mich an Sylvester 2000 zusammen mit meinem Vater auf den Gipfel des Athos im gleichnamigen Mönchsstaat in Nordgriechenland. Bei Schneesturm erreichten wir den einsamen Gipfel und verbrachten die Nacht des Jahrtausendwechsels in der kleinen Kapelle, die am höchsten Punkt steht, 2000 Meter über dem Meer und inmitten der atmosphärischen Naturgewalten. Als um 0.04 Uhr der Blitz einschlug, mochte man fast an den Weltuntergang glauben. Wir kehrten jedoch heil zurück und erholten uns schon zwei Tage später in einer griechischen Fischtaverne am Meer von diesem endzeitlichen Erlebnis.

2001: Similaun
Bis heute denke ich wehmütig an jene Augustnacht zurück, die wir auf dem Gipfel des Similaun (3606 m) verbrachten. Wir sahen einen unvergleichlich schönen nächtlichen Sommerhimmel – und mehr Sternschnuppen, als man Wünsche haben kann ...

2002: Mugonispitze
Das Jahr 2002 war für mich aufgrund eines kleinen Unfalls sehr lehrreich: Beim Abstieg von der Mugonispitze im Rosengarten (Dolomiten) machte ich gleich mehrere Fehler und stapfte allein, in kurzer Hose und ohne Grödel (die sich im Rucksack befanden) in einer nordseitigen Schneerinne nach unten. Eine Eisplatte beschleunigte das Ganze, woraufhin mein Körper gewisse Schäden davontrug. Es sollte mein bislang einziger Bergunfall bleiben.

2003: Damâvand
Meine weiteste Bergreise führte mich in den Iran. Als 21-Jähriger tummelte ich mich auf eigene Faust in den Großstadtschluchten Teherans und wurde sogar vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen – man hielt mich für einen fotografierenden Spion. Ich kam jedoch schnell wieder frei und konnte in einer sturmumtosten Nacht dem höchsten Berg des Irans solo auf sein 5671 Meter hohes Haupt steigen. Völlig allein auf diesem mondähnlichen, schwefelgasumrauchten Vulkangipfel zu sitzen, in der Ferne das Lichtermeer Teherans flimmern zu sehen und auf den Sonnenaufgang zu warten, war ein Erlebnis, das ich in seiner Größe bis heute nicht wiederholen konnte.

2004: Olymp
Ein Höhepunkt des Jahres 2004 war die Besteigung des Olymps, die ich wiederum alleine durchführte. Im Vergleich zum Damâvand waren es hier nicht Widrigkeiten wie die Höhe des Berges oder die gewaltige Kälte im Sturm, die das Erlebnis zu etwas Großem reifen ließen; es war ganz im Gegenteil die sagenhafte Idylle, die ich auf dem Mytikas, dem höchsten Punkt Griechenlands, vorfand. Einen ganzen Nachmittag saß ich dort oben, schaute auf das Meer hinab, las das Markus-Evangelium im griechischen Original, genoß das warme Licht. Und der Sonnenuntergang dort oben kam mir vor wie ein Ereignis kosmischer Bedeutung – dabei war er im wörtlichen Sinne ganz „alltäglich“.

2005: Tegernsee-Umrundung
Meine Vorliebe für Ausdauertouren setzte ich im Juli 2005 erstmals in eine große Umrundung um: Von Gmund aus ging es über sieben Gipfel hinweg einmal rund um den Tegernsee und wieder zum Ausgangspunkt zurück. 19 Stunden lang dauerte diese Tour, bei der ich 4430 Höhenmeter im Aufstieg wie im Abstieg zu bewältigen hatte. Großartig war dabei für mich weniger das enorme Tagespensum an sich, sondern vielmehr die Erkenntnis, daß auch vor unserer eigenen Haustür, an bescheidenen Hausbergen alpinistischer Zweitrangigkeit, Abenteuer möglich sind. Die groteske Tatsache, daß ich das abendliche Unterwegssein in einem deutschen Dorf zu meinen intensivsten Erlebnissen überhaupt zählen kann – gemeint sind die letzten Meter der Umrundung bei der Rückkehr nach Gmund –, ist Ausdruck meines persönlichen „Alpinstils“. Um Bergabenteuer zu erleben, brauche ich keine Expedition, ich brauche nicht einmal Geld. Das Abenteuer findet in mir statt. „Wie mickrig“, mag sich da vielleicht einer denken, der Achttausendergipfel und vereiste Nordwände kennt. Und er mag Recht haben.

2006: Rechelkopf
Eine ähnliche Tour gelang im November 2006, an einem goldenen Herbsttag, der eher an den vergangenen Sommer erinnerte als an den nahen Winter. Mein Plan war es, den langen Weg vom Münchner Marienplatz bis auf einen Alpengipfel an einem Tag zu Fuß zu beschreiten, und nach einem letzten Blick hinauf zu den Frauentürmen wanderte ich frühmorgens im Zentrum der großen Stadt los. Das Wandern war genußreich, von vielen kleinen, unspektakulären Schönheiten am Wegrand begleitet, und es war auch hochinformativ – bekommt man doch normalerweise bei der Anreise zu einer Bergtour nicht sehr viel von der Landschaft mit; zumindest „ergeht“ man sie sich nicht mit eigenen Füßen. Neun Stunden nach dem Aufbruch erreichte ich Bad Tölz, von wo der nächstmögliche Bergweg auf den Rechelkopf (1328 m) führte. Unterwegs hatte ich mir durch ein verdorbenes Leberwurstbrot eine Magenverstimmung zugezogen, die mich fast den Erfolg der Tour kostete. Dennoch kam ich nach insgesamt 10:50 Stunden fast pausenlosen Gehens auf dem Gipfel an, bei einbrechender Nacht, recht einsam und vom neuralgischen Punkt des Magens ausgehend völlig entkräftet. Wieder einmal war der kleinste Hügel, ein lächerlicher Wald-1300er, zum Zielpunkt eines großen, reichen Tages geworden. Und diese lange, unsichtbare, goldene Novemberlinie zurückzudenken, die ich da von München auf einen Berg hinaufgelegt hatte, barg viel Schönheit in sich.

2007: Schönfeldspitze
Meine große Leidenschaft in den Bergen gilt seit zehn Jahren dem Biwakieren auf einem Gipfel, also einer Übernachtung unter freiem Himmel an einem exponierten Ort. Das Gipfelbiwak am 19. Juni 2007 war noch etwas intensiver als viele andere, die wir bislang unternommen hatten. Erst um neun Uhr abends brachen wir in Maria Alm an den Südabstürzen des Steinernen Meeres auf und hatten Proviant und viele Ideen für mehrere Tage auf der Hochfläche dabei. Schon der ungewöhnliche Abend- und Nachtaufstieg, der von einer ganz typischen Frühsommerstimmung mit Glühwürmchen begleitet wurde, geriet zu einer großen Freude. Als wir gegen Mitternacht trotz Kälte und schwindender Kräfte dann noch spontan auf den kühnsten Gipfel des Gebirges, die Schönfeldspitze (2653 m), stiegen, wurde die Tour zum Abenteuer. An diesem Punkt, der an schönen Sommertagen von Dutzenden bestiegen wird, um 1.30 Uhr nachts bei starkem Wind anzukommen, plötzlich vor der riesigen schwarzen Holzmadonna zu stehen, die den dornengekrönten Gekreuzigten in ihren Armen hält, und dort auch noch übernachten zu wollen, war ein schaurig-faszinierendes Erlebnis der Exponiertheit. Bereits gegen 3.30 Uhr wich jedoch die Nacht schon wieder dem Morgengrauen; es folgte ein roter, wilder Sonnenaufgang. Der heiße, junge Sommer kämpfte mit der Nacht – und gewann.

2008: Vergessene Pfade um den Königssee
Das Jahr 2008 war voll und ganz von der Recherche- und Begehungsarbeit für mein erstes Buch geprägt, die "Vergessenen Pfade um den Königssee". Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war ich über viele Monate hinweg in keinem anderen Gebirge unterwegs als in den Bergen rund um den Königssee, und ich genoss es, immer wieder in dieselbe Gegend zu fahren und vieles kennenzulernen, was mir zuvor noch unbekannt war. Es war das Jahr der Fototouren – mit Tagen, an denen ich gleich drei oder vier Zielen einen Besuch abstattete und hinterher auch noch biwakierte. Und es war mit Abstand das intensivste Jahr meines bisherigen Lebens, da in seinen Sommer auch die Geburt meines ersten Kindes fiel. Eine der schönsten und anstrengendsten Touren des Jahres führte mich auf den Schneibstein; wohlgemerkt aber nicht über den bekannten Wanderweg, sondern über den einsamen Ostgrat. Von Golling aus dem Salzachtal ging's ins Bluntautal, steil hinauf ins Schlumhiefl, zur verfallenen Rotwandalm, über den Grat auf den Schneibstein und durch die Schlum wieder zurück. Das waren zwölf Stunden abenteuerliches Bergsteigen, oft weglos, mit Kreuzotter-Begegnung, heftigem Juli-Gewitter und ohne Tourenpartner. Doch auch auf der Rückfahrt war's noch nicht vorbei: Beide Abblendlichter fielen aus, und ich hatte das Vergnügen, über 120 Kilometer nur mit Fernlicht zu fahren. Weitere unvergessliche Erlebnisse bescherte mir auch die letzte Tour des Jahres, als ich bei unglaublichem Herbst-Traumwetter am 9. November den anspruchsvollen Schöneck-Südgrat beging. Bei der Rückfahrt ging mir noch in Maria Alm der Sprit aus, und wieder musste ich Geduld beweisen, bis ich schließlich wohlbehalten nach Hause zurückkehren konnte ...

2009: Watzmann-Ostwand
Das Jahr 2009 war in gewisser Weise ein Jahr der Erholung und der Konsolidierung. Die großen Anstrengungen des vorangegangenen Jahres, familiär wie beruflich, verlangten nach einer ruhigeren Gangart. Tatsächlich stand das Jahr 2009 überwiegend unter dem Zeichen kleinerer, genussvoller Touren in den Vorbergen. Doch eine anspruchsvollere Unternehmung war dann doch dabei: die Watzmann-Ostwand. Zwei Vorbereitungstouren brachten ein wenig Kondition und Übung im Steilgelände: eine schnelle Besteigung der Hochwand (2715 m) in der Mieminger Kette und ein Gipfelbiwak auf dem Birnhorn (2634 m) in den Leoganger Steinbergen, zu dem wir mit schweren Rucksäcken aus dem Saalachtal (676 m) zügig aufstiegen. Dann war es soweit: An einem herrlichen, frühherbstlichen Tag kletterte ich mit dem Bergführer-Aspiranten Wolfgang Pusch bei perfekten Verhältnissen durch die höchste Wand der Ostalpen. Diese Tour ist für mich im Gegensatz zu so vielen anderen persönlichen Höhepunkten der letzten Jahre nicht aufgrund der hohen Schwierigkeiten, Entbehrungen oder anderer Widrigkeiten so unvergesslich, sondern wegen der sagenhaften Schönheit dieser Wand und des stundenlangen Genusses, dort hinaufzusteigen. Das Tüpferl auf dem i war die zufällige Tatsache, dass ich mit dem Erreichen der Watzmann-Südspitze zum 500. Mal auf einem Berggipfel stehen durfte. Genaueres zu dieser Tour im ausführlichen und bebilderten Bericht.

2010: Vergessene Pfade in den Bayerischen Hausbergen
Im Jahr 2010 war ich hauptsächlich in den heimischen Wald- und Grasbergen unterwegs, denn mein zweites Buch, die "Vergessenen Pfade in den Bayerischen Hausbergen", erforderten noch viel Fotografier- und Begehungsarbeit. Unter den zahlreichen Touren, die ich zwischen Ammergau und Chiemgau unternommen habe, erlebte ich die Exkursionen in den Isarwinkel als besonders schön. Insbesondere die Blauberge haben es mir derart angetan, dass ich gleich dreimal innerhalb von vier Wochen auf dem Reitstein stand. Ich zitiere aus dem Vorwort des Buches:
"
Wenig Extremes und Spektakuläres, aber viel Schönes, Eindrückliches, Hintergründiges – so könnte man vielleicht zusammenfassen, was ich auf den Touren zu diesem Buch erlebt habe. [...] Ich fand Almruinen, malerische Bäche, einen historischen Grenzstein, in keiner Karte verzeichnete Wege und die völlige Stille eines vernebelten Oktobertages. War es das, was ich suchte? Ja, das war es."